Walder Wald Wandel
Interview mit Adrian Brunner, Forstrevier Rüti-Wald-Dürnten
Das Ziel vom Forstrevier Rüti-Wald-Dürnten ist es, einen zukunftsfähigen Wald aufzubauen, welcher die geforderten Funktionen (Schutz, Erholung usw.) dauerhaft erfüllen kann. Mit dem sogenannten „Waldumbau“ soll der Wald für länger werdende Trockenheitsperioden, Hitze, Sturm und Starkregen gestärkt werden. Weil heute der Wald für das Jahr 2126 geplant und begründet wird, ist die Tree-App der Forschungsanstalt WSL (Wald, Schnee und Landschaft) eine wichtige Entscheidungshilfe für die Förster, da sie aufgrund von Klimamodellen die künftig herrschenden Waldgesellschaften an den jeweiligen Standorten prognostiziert. So können bereits heute die standortgerechten Bäume der Zukunft gefördert werden.
Klimatische Veränderungen
Dass sich die klimatischen Veränderungen schneller verschärfen, als die Wachstumszeit der Bäume es erlaubten, ist eine kaum lösbare Herausforderung. Durch die Globalisierung eingeschleppte Krankheits- und Tierschädlinge können sich zusätzlich unvorhergesehen und heftig auf bereits angeschlagene Baumarten auswirken (Ulmen- und Eschensterben).
Aufgrund des erhöhten Stresslevels, durch die klimatischen Veränderungen und dem vermehrten Aufkommen von eingeschleppten Schadorganismen, werden vermehrt Bäume und Baumteile absterben. Um die Sicherheit weiterhin gewährleisten zu können, wird kurz- bis mittelfristig mehr Geld benötigt werden. Unter Umständen könnte auch eine finanzielle Unterstützung des aktiven Waldumbaus die Adaption des Waldes der Zukunft beschleunigen.
Interview von Maya Hauser mit Adrian Brunner
Wie baut man einen ganzen Wald um?
Der Plan Wahlen verdoppelte im Zweiten Weltkrieg die Ackerfläche der Schweiz in fünf Jahren – von 183’000 auf 352’000 Hektaren, getragen von einer halben Million Menschen. Der Umbau unseres Waldes ist ein Vorhaben dieser Grössenordnung. Nur zieht er sich nicht über fünf Jahre, sondern über Generationen. Und er findet nicht statt, wenn die Waldeigentümer nicht mitmachen: Jeder Baum wird von ihnen gepflanzt, gepflegt, ausgelesen.
– Welche Baumarten bei uns überhaupt noch wachsen, wenn das Klima um 3 bis 4 Grad steigt und die Höhenstufen bergauf wandern.
– Warum das Tiefland die Fichte verliert und der «Buchenkanton» Baselland seine Buche.
– Welche Arten Chancen haben – von der Traubeneiche bis zur Weisstanne – und dass es dabei nicht nur um die Art geht, sondern auch um die Herkunft des Saatguts.
– Warum die Strategie nicht «die eine neue Baumart» heisst, sondern 8 bis 16 Arten je Höhenstufe. Vielfalt ist die Versicherung des Waldes.
– Und dass Umbau nicht Pflanzen allein ist, sondern Auslesen, Pflegen, Begleiten – über hundert Jahre.
Warum das zählt: Am Wald hängen Schutz vor Steinschlag, Trinkwasser, Kühlung, CO2-Speicher und Erholung. Diese Leistungen bekommen wir nur, wenn der Wald den nächsten Sommer übersteht. Der Umbau ist die Voraussetzung – und er braucht die Eigentümer, Zeit und Kapital.
Ein Baum, den wir heute pflanzen, steht in hundert Jahren. Sein Klima ändert sich in dreissig Jahren. Deshalb fangen wir jetzt an.
Text von Simon Tschendlik gefunden auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7490492925366218754
Was ist falsch am Satz „Es bringt ja nichts, wenn wir unsere eigene Wirtschaft ruinieren, wenn die anderen Länder nichts tun“
Alles.
Die anderen Länder tun etwas. Die Schweiz liegt im Klimaschutz zurück hinter Dänemark, Grossbritannien, Marokko, Chile, Luxemburg, Litauen, Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden, Spanien, Pakistan, Rumänien, Nigeria, Estland, Philippinen, Europäische Union, Frankreich, Deutschland, Indien, Vietnam, und Malta.
Das bedeutet, die Schweiz fällt deutlich zurück im Ranking der modernen, im aktuellen Jahrhundert lebenden Länder, die auf saubere und effiziente Technologien setzen und auf Gesellschaften, die sich befähigen, mit dem gut zu leben, was die Erde hergibt, und die den Abfall und den Schaden durch die eigene Produktion und den eigenen Konsum kennen und hinter sich aufräumen und ihren Ehrgeiz darein setzen, keinen Schaden anzurichten.
Und die Wirtschaft?
Die eigene Wirtschaft ruinieren wir, indem wir weiter machen wie bisher, anstatt die Nachfrage nach Methoden zu bedienen, die planetar haltbar sind.
Das Argument, die Schweiz sei zu klein, um etwas Positives auszurichten, ist leicht widerlegbar durch den Blick auf den Umfang des Negativen, das sie trotz ihrer Kleinheit auszurichten imstande ist: mit unserem pro Kopf Konsum liegen wir auf Platz 15 der am meisten Schaden anrichtenden Länder. Davon abgesehen ist es gegen geltendes Recht und gegen den Volkswillen, keinen adäquaten Klimaschutz zu betreiben.
Wir haben das Wissen zum Aufbruch ins Positive dank Wissenschaft und zahlreicher PraktikerInnen.
📈 Macht euch schlau
Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa hält dafür die Match-Synthese bereit 💡 und das BAFU den Umweltatlas Lieferketten Schweiz
und der Global Justice Report ebenso wie Kate Raworth und die Schweizer Forschenden Harald Desing und Hauke Schlesier 👉 https://www.admin.ch/de/nsb?id=101770 zeigen auf, was wir ändern sollten, um gut dazustehen im Ranking unserer Kinder und unserer eigenen Werte.
Denn die Werte verraten wir gerade, Trend ungebrochen.
Text von Bettina Schwarzen Hofstätter: Wir können fast nichts tun: https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7491756360162902017
Welche Bäume werden vermutlich unseren Wald dominieren?
Trockenheitsresistenz der Eiche
Eichen (insbesondere Traubeneichen und Flaumeichen) gehören zu den extrem trockenheits- und hitzeresistenten Baumarten im Schweizer Wald. Warum sie Trockenheit meistern: Sie besitzen sehr tief reichende Pfahlwurzeln, mit denen sie Wasser aus tieferen Gesteinsschichten ziehen können.
- Nagelfluh-Eignung: In den Klüften und Rissen des durchlässigen, steinig-kargen Nagelfluh-Gesteins finden ihre Wurzeln festen Halt und erreichen das dort gespeicherte Tiefenwasser.
- Feuerresistenz: Eichen haben eine extrem dicke, borkige Rinde. Sollte es zu einem Waldbrand kommen, schützt diese Borke das lebende Gewebe im Stamm; der Baum übersteht Bodenfeuer oft unbeschadet.
Weitere klimaresistente Bäume für trockenen, kargen Untergrund
Auf felsigen, flachgründigen Böden (wie Nagelfluh) und bei hoher Sommertrockenheit eignen sich insbesondere folgende heimische und klimafitte Laub- und Nadelbäume:
- Mehlbeere (Sorbus aria): Pionierbaumart auf Fels, Schutt und Kalk. Exzellent an extreme Trockenheit angepasst, brennt schwer und fängt als Laubbaum kaum Feuer.
- Feldahorn (Acer campestre): Sehr robust gegenüber Hitze und Trockenheit, bildet tiefgreifende Herzwurzeln und gedeiht hervorragend auf kargen Böden. Hainbuche (Carpinus betulus): Sehr schattentolerant, extrem schnittverträglich, tief wurzelnd und resistenter gegen Dürre als die Rotbuche.
- Esskastanie (Castanea sativa): Tiefwurzelnder Laubbaum, der ursprünglich aus dem Süden stammt und trockene, karge Hanglagen sehr gut verträgt.
- Waldkiefer / Föhre (Pinus sylvestris): Kommt extrem gut mit starker Trockenheit und steinigem Grund klar. (Hinweis: Als Nadelbaum mit harzreichem Holz brennt sie allerdings leichter als Laubbäume).
In Bezug auf Brandschutz und Klimaresistenz auf Nagelfluh sind Traubeneiche, Mehlbeere und Feldahorn die stärksten Kandidaten für den Umbau der Fichten- und Buchenbestände.