© Grüne Wald

Hand aufs Herz: Wir alle trennen unseren Abfall, sammeln fleissig „Aludeckeli“ und löschen das Licht, wenn wir den Raum verlassen. Das gibt uns ein gutes Gefühl und bestätigt uns darin, dass wir uns für die Umwelt einsetzen. Doch eine aktuelle Studie der Universität Genf, veröffentlicht in Nature Sustainability, rüttelt an diesem positiven Selbstbild: Wir belügen uns beim Klimaschutz oft selbst.

Die Falle der Selbsttäuschung

Die Forschung zeigt, dass wir die Wirkung von Massnahmen wie Recycling oder dem Verzicht auf Plastiksäcke systematisch überschätzen. Warum? Weil diese Dinge einfach umsetzbar sind und uns ständig in Schule und Medien als „umweltfreundlich“ präsentiert werden. Gleichzeitig unterschätzen wir die wirklich wirksamen Hebel massiv:

  • Der Verzicht auf Flugreisen.
  • Der Umstieg vom Auto aufs Velo oder den öffentlichen Verkehr.
  • Eine pflanzenbasierte Ernährung.

Wissenschaftler nennen das „psychologische Verzerrung“: Wir bewerten Handlungen, die wir bereits tun, als wirkungsvoller, um unser Gewissen zu beruhigen – selbst wenn sie am wenig wirksamen Ende des Spektrums liegen. Wer doppelseitig druckt, rechtfertigt vor sich selbst eher den nächsten Ferienflug.

Was bedeutet das für unsere Politik in Wald?

Es reicht nicht, wenn wir uns an unseren Anlässen gegenseitig für kleine Erfolge loben. Wenn wir unsere Klimaziele in Wald wirklich erreichen wollen, müssen wir die grossen Themen anpacken.

Die aktuelle Vernehmlassung zur Umgebung des Bahnhofs ist eine Chance: Gerade nach diesem heissen Sommer mit seinen Hitzetagen und Tropennächten wissen wir, dass wir wirksame Veränderungen brauchen. Aber Betonwüsten und Parkplätze allein umzugestalten, wird nicht genügen, wenn wir unser Mobilitäts- und Konsumverhalten nicht grundlegend ändern.

Vom „Guten Gefühl“ zur echten Wirkung

Wir müssen als Grüne Wald mutig genug sein, die unbequemen Wahrheiten auszusprechen:

  1. Ehrliche Kommunikation: Wir müssen darüber aufklären, dass Recycling einen Langstreckenflug niemals kompensieren kann.
  2. Strukturen schaffen: Wir brauchen in Wald Rahmenbedingungen, die das Velo und den ÖV zur einfachsten Wahl machen und pflanzliche Ernährung fördern.
  3. Eigene Motivation prüfen: Nutzen wir unser Engagement in der Lokalpolitik nur als „moralisches Ruhekissen“, oder erzielen wir dort Wirkung, wo es wirklich zählt?

Klimaschutz beginnt im Kopf, indem wir unsere eigenen Fehlwahrnehmungen korrigieren. Lasst uns nicht nur die Welt retten wollen, indem wir Abfall trennen, sondern indem wir die Art und Weise, wie wir leben, reisen und essen, mutig hinterfragen.

Packen wir es an – ehrlich, wirksam und gemeinsam für ein nachhaltiges Wald.